Kocheinstand

Die Überlegung war, ob ich zuerst etwas über die Hochzeiten hier erzähle, oder erst über meinen Kocheinstand. Die Wahl fiel aufs Kochen, denn das ist jetzt grad aktuell, Hochzeiten hingegen gibt es ständig…..

Seit fast vier Wochen schlagen wir zweimal am Tag bei der Schwägerin zum Essen auf. Sie kocht zweimal täglich warm: für ihre fünfköpfige Familie, für uns (zu viert) und einmal mittags noch für unsere Bauarbeiter (zwischen 2 und 7 an der Zahl).
Nun stellte sich aus aktuellem Anlass die Frage, ob es möglich wäre, sie zu entlasten.
Meine Küche ist zwar noch nicht fertig, jedoch Schwiegermamas Küche könnte ich nutzen, da diese derzeit bei der kranken Schwester weilt, so dass ich mich da ein bissl breit machen könnte. Die Küche wird auch von einer Schwägerin genutzt, jede hat ihren eigenen Herd und eigene Töpfe und Pfannen, Öl und Gewürze. Der Rest wir gemeinsam benutzt. Schränke für Geschirr gibt es nicht. Was da ist, wird täglich benutzt und steht oben in der Ecke. Zum Spülen gibt es kaltes Wasser, außer man macht auf dem Gasherd Wasser heiß.
20190325_100656Ich war einverstanden, solange ich keinen Couscous machen müßte, denn der gelingt mir nur manchmal. Es kam auch schon vor, dass ich eine matschige Pampe in die Biotonne befördert habe. Dieses Risiko wollte ich unter lauter Couscous-Expertinnen nicht eingehen. Dann warten hungrige Bauarbeiter auf ihr Essen und es gibt nur Baguette?
Samstagnachmittag suchte ich aus meinen Kisten ein paar meiner Küchentools heraus. Als allerwichtigstes: mein Sparschäler! Den hab ich in die Medikamententasche gepackt, damit ich ihn auch sicher finde!!! Meine gußeiserne Antihaft-Pfanne, 2 scharfe Messer, ein paar Gewürze wie Kumin, scharfes Paprikapulver, Zimt, gemahlener Koriander, ja und ich gebs zu, auch Gemüsebrühe in Pulverform, denn in Ermangelung freier Auswahl an Gemüse für eine gute Brühe wollte ich lieber tricksen, als Gechmacklosigkeiten abliefern.
Da es Samstagnachmittag war und der allsamstägliche „Familien-Frauen mit Kindern-Treff“ stattfand, holte ich außerdem das Mega-Nutella Glas aus meinem Vorrat und begann meinen Einstand mit Pfannkuchen. Außer Klümpchen im Teig (mangels Schneebesen und Thermomix) kann da nicht viel schief gehen, dachte ich.
Aber so einfach ist das nicht. Hier sind schon die jungen Mädchen Spezialistinnen in der Küche. Ich hatte gleich zwei Assistentinnen: eine 10jährige und eine 12-jährige. Während die 10jährige die Klümpchen im Teig bemängelte (ich gab ihr die Gabel, denn was anderes gab es nicht und bedeutete ihr, sie selber raus zumachen), wollte mir die ältere zeigen, wie ich den Teig in die Pfanne zu gießen hätte. Halleluja. Gut, in Ermangelung der genauen Übersetzung des Unterschieds von bayrischen Pfannkuchen und Crepes machte ich natürlich die Crepes nicht korrekt und der Teig war zu dick. Bayrische Crepes eben, Crepes bavaroises. Doch letztlich war es egal, ob nun richtig oder falsch, sie wurden alle gegessen, 9 Kinder standen Schlange und die Erwachsenen sagten dann auch nicht nein.
Für den Abend wollte ich Spaghetti machen. Da kann schon insofern nichts schief gehen, als die Nudeln hier leider nie al dente auf den Tisch kommen, sondern immer zu weich, dachte ich mir so.
Jetzt nur noch eine tunesisch angehauchte Tomatensoße hinkriegen. An Zwiebeln gibt es hier nur Lauchzwiebeln, von denen man, wie mir die 10jährige zeigte, die rote Haut nicht mit verwendet. Beim Knoblauch entschieden wir uns für 3 Stück:  kleinschneiden und mit der Gabel und Salz zerdrücken. Hier wird mit Mörser gearbeitet, aber meiner ist momentan noch in irgendeiner Kiste. Zwiebeln in Öl anbraten, bis sie weich sind, Knoblauch kurz dazu. Mit Koriander (gegen die Knoblauchauswirkungen), Kumin und einer guten Prise Zimt würzen. 1 kg Tomaten kleingeschnitten dazu, Salz und Kurkuma für die Farbe. Oh je, vergessen, Harissa zu kaufen….dann muß es heute „unscharf“ gehen. Ein paar grüne Paprika kamen noch im Ganzen hinein. Das Gemüse wurde dann geschmort und immer mal wieder aufgegossen, bis die Tomaten weich waren und sich aufgelöst hatten. Danach hab ich dann erfahren, dass Spaghettisoße nicht mit frischen Tomaten gemacht wird, sondern nur mit Tomatenmark. Aber meine Tomaten waren so verkocht, dass es kaum aufgefallen ist.
Die Spaghetti werden hier in der Soße gewendet und so auch serviert, und natürlich essen alle aus einer Schüssel. Das habe ich dann ebenso gehalten und – Al hamdulillah – mein Essen ging allerseits als „simha“ (gut, schön, lecker) durch. Puuh. Erste Hürde genommen.
Dazu hab ich noch aus den restlichen Tomaten und einigen Lauchzwiebeln und in Ringe geschnittenen Paprika einen Salat gebastelt, mit Zitronensaft, Öl, Salz und etwas Kumin gewürzt.
Heute dann die Frage, ob ich für die Bauarbeiter das Mittagessen machen könne. Ha ja, klar, warum nicht. Wieviel Zeit hab ich? 1 Std. Was willst Du kochen? Keine Ahnung, ich mach schon was….lass mich einfach kochen!
So ganz hat man mir ja nicht zugetraut, was Brauchbares auf die Reihe zu kriegen…..Ist auch nicht ganz einfach, wenn man nicht auf die gewohne Auswahl an Zutaten und Werkzeug zurückgreifen kann. Ich entschied mich, nochmal mehr Tomatensoße wie gehabt zu machen, die restlichen Spaghetti darin zu erwärmen, außerdem Kartoffeln (längs geviertelt, wie es hier üblich ist) zu kochen und anschließend zu braten. Dazu Fenchelsalat mit Orange. Meine 10jährige Assistentin war begeistert vom Sparschäler und vom Fenchel hobeln auf meinem „smartcut“ bzw. „Nicer Dicer“-Teil. Heute waren wir im Besitz von Harissa und sie gab großzügig einen gehäuften Esslöffel davon in die Tomatensoße, die nun allerdings grenzwertig scharf gewürzt war. Auch das Verdünnen mit Brühe half da nichts mehr. Nun, da müssen sie jetzt durch, die Bauarbeiter.
Die Spaghetti kamen denn also mit viel cremiger Soße in die Schüssel. Die gebratenen, mit Salz, Zitrone und Kumin gewürzten Kartoffeln oben im Kreis dekoriert drauf, die vom Vortag übrig gebliebenen drei Paprikaschoten (nochmal kurz in heißem Öl gebraten) in die Mitte. Dazu der Fenchelsalat mit Salz, Zitrone, Öl und Orangenstückchen. Als ich etwas zu früh in die Küche kam, weil ich abräumen wollte, waren die Arbeiter erst beim Essen und bedeuteten mir mit Daumen nach oben, dass es ihnen offensichtlich schmeckte. Sie aßen auch alles auf, nichts blieb übrig,.
Alhamdulillah. Einstand geschafft.
Von den Kartoffeln hatte ich eigentlich auch für uns noch genügend gekocht, aber sie waren so lecker, dass jeder der in die Küche, davon naschte. Ich mußte also gleich nochmal ein Kilo kochen und servierte dazu dann allerdings Blumenkohl, in Gemüsebrühe mit Kurkuma gekocht und anschließend ebenfalls gebraten. Dazu Karottensalat, geraspelt, mit Orangenstückchen. Und Fenchel einfach in schmale Streifen geschnitten, mit Salz und Zitrone gewürzt. Bisbääs, wie er hier genannt wird, ist außerordentlich beliebt, auch bei den Kindern zum Knabbern und naschen. Ein bis zwei Knollen gehen jeden Tag weg, als Nebenbei-Nascherei.
Superpraktisch beim Kochen ist außerdem, wenn man den Zitronenbaum vor der Küchentür hat……denn Zitronensaft ist hier wirklich eines der wichtigsten Gewürze.

Für morgen hab ich Schokoladenpudding gekocht. Wahrscheinlich ist zu wenig Zucker drin für den hiesigen Geschmack…..

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