Abenteuer

Boah, ich bin auf dem Schiff! Nichts Besonderes? Doch, diesmal schon.  Es ist nämlich der zweite Versuch. Drei Tage nach der geplanten und gebuchten Überfahrt von Civitavecchia nach Tunis.

Aber von Anfang.
Alles schien bestens nach zwei Wochen Deutschland. Oder fast alles. Zwei Tage vor dem Start nach Freiburg wollte ich mein Auto packen. Alle Sachen schön verteilt im Garten von meiner Freundin Johanna, um sie Platz sparend einzuladen. Just da musste doch ein Wolkenbruch hernieder gehen. Schnell eine Plane drüber, trotzdem wurde einiges nass und nach einer Weile, als der Regen nachließ, warf ich die teilweise schon aufgeweichten Kisten irgendwie ins Auto. Am nächsten Tag musste ich dann in einer Garage nochmal alles ausleeren und neu einsortieren. Dieses war deshalb auch nicht so voll beladen wie sonst. Und einiges, was ich eigentlich unbedingt dabei haben wollte, ist leider im Chaos in Deutschland verblieben.
Und da bleibt es nun auch für mindestens Ende Ramadan 2020, d.h. Ende Mai. Denn ich darf nur noch 2 Monate mit Auto in Tunesien bleiben, muss nächstes Mal also mit dem Flieger zurück und in Tunesien wieder Moped fahren…

Doch weiter im Text.
Soweit war dann aber alles okay. Am Dienstagmittag fuhr ich noch zu ATU, um Motoröl nachzufüllen und die Reifen aufzupumpen. Vollbeladen ist es besser, wenn sie etwas mehr Druck haben. Um die richtige Ölsorte zu finden, wollte der Angestellte den Fahrzeugschein haben, gab ihn mir zurück und ich legte den Schein auf den Geldbeutel und beides beim Öl einfüllen auf den Motorblock. Um dann noch die Reifen aufzupumpen, nahm ich beides ins Auto, in meine Tasche, pumpte die Reifen auf….. und fuhr los. 20 km weiter wollte ich bei Johanna noch was einladen. Und bei der Gelegenheit den Fahrzeugschein an seinen Platz räumen. Aber er war nicht mehr auffindbar.
Um es kurz zu machen: Auto 5 x durchsucht, Tasche 3 x ausgeleert, nichts. KfZ-Stelle Illertissen hatte nachmittags zu, KfZ-stelle Neu-Ulm hatte nachmittags zu. Aber in Neu-Ulm bin ich dann wenigstens schnell zum Saturn, denn das Navi ging plötzlich auch nicht mehr, aber es war zum Glück nur das Kabel kaputt.
Also wieder zurück nach Memmingen. An Freiburg und Pflanzeneinkauf und was ich sonst noch auf meiner to-do-Liste hatte, war jetzt nicht mehr zu denken.
In Memmingen also zuerst gegoogelt, was ich zum Ersatz eines verlorenen KfZ-Scheins tun musste, während der Schwiegersohn nochmal das Gelände bei ATU absuchte, ohne Erfolg. Das Wichtigste war eine Verlustanzeige bei der Polizei, mit der ich dann – aber erst am Mittwochmorgen – zur KfZ- Stelle gehen konnte. Um meine Fähre zu erreichen, hätte ich um spätestens 5 h morgens losfahren müssen. 10 Stunden Fahrt, 945 km, mit 2 x Capucchino trinken an einer Autobahnraststätte in Italien und 1 x tanken.20190814_072108
Also wenig Chancen, das Schiff zu erreichen.  Am Mittwoch war ich um 7.30 h auf der KfZ Stelle und um 8.30 h hatte ich meinen neuen Schein in der Hand. Alles easy. Noch drei Leberkässemmeln gekauft und los bei frischen 9einhalb Grad morgens…..
Durch Mautstellen und Baustellen  (und in der Schweiz durch vorschriftsmäßiges Fahren!) verschob sich meine Ankunftszeit von ursprünglich 18.10 h auf 18.30h. In Italien konnte ich einiges wieder aufholen durch schnelles Fahren, kostete halt mehr Sprit. Um 19 Uhr sollte das Schiff ablegen und normalerweise sind da alle Tore schon zu. Trotzdem hatte ich ihm Kopf: ich bin heute auf dem Schiff, ich bin heute auf dem Schiff……
Nach halber Strecke, bei meiner ersten Capucchino-Pause checkte ich mein Handy: eine sms von Direct ferries: „checken Sie ihre emails“. Das tat ich und siehe da:  „es tut uns leid, das von Ihnen gebuchte Schiff hat voraussichtlich 2 Stunden Verspätung…..“  JUHU. WOW. Es klappt.

Am Hafen
Um viertel vor 19 h war ich dort, holte entspannt mein Ticket und stellte mich in die Reihe der wartenden Autos. Es wurde 21 h, es wurde 22 h, aber das war egal. Endlich sollte es losgehen. Dann kam ein Auto und fuhr los und alle wartenden Autos sollten hinterher fahren, das Schiff stand heute wieder woanders. Das hatten wir schon mal: eine Art Minigabelstapler ohne Gabeln, aber mit Blinklichtern fuhr im Schneckentempo von 20 kmh vor uns her. Diesmal aber war alles anders: Der Führer fuhr ein normales Auto, im Tempo 50-60 kmh (gefühlt) und alle beeilten sich hinterher zu kommen. Nun, wer schon mal in einem großen Hafen war, weiß, wie es da aussieht. Verschiedene Fahrspuren, Sperrungen, Schranken, Einbahnstraßen usw. Jedenfalls am ersten Kreisverkehr kamen andere Verkehrsteilnehmer aus allen Richtungen dazu, kein Blinkeauto mehr in Sicht, so fuhr ich auf gut Glück eine Ausfahrt und sah weiter vorne ein Auto mit Warnblinkanlage. Also hinterher. Ich klemmte mich an seine Stoßstange und wunderte mich, dass wir völlig in die Pampa fuhren, aber ich sah weitere Fahrzeuge hinter mir und dachte, es wird schon passen. Doch es passte nicht und plötzlich waren wir wieder im Hafen.  Der Fahrer kurbelte das Fenster runter und schrie auf italienisch. Als er merkte, dass ich nichts verstand, raste er panisch davon. Die Schlange hinter mir löste sich ebenfalls auf,  und da sie in verschiedene Richtungen fuhren, probierte ich es nochmal in die Richtung, die mir vom letzten Mal in Erinnerung war…..und landete wieder in der Pampa. Und zurück im Hafen. Der Navi war überhaupt keine Hilfe, denn den Hafen zeigte er überhaupt nicht an und ab einer bestimmten Stelle dann gar nichts mehr, trotz ständig neuen Einstellens. Als ich dieselbe Runde dann zum zweiten Mal abfuhr, wuchs meine Panik, dass ich mein Schiff verpassen könnte, und bei der dritten erfolglosen Runde fuhr ich nur noch hysterisch schreiend und kreischend (mit offenen Fenstern!), was aber nichts nützte, denn es war schon 23 h und keine Sau mehr auf der Straße, die mich hätte hören können.

Benzin ist alle – die Gangschaltung auch
Da mein Tank schon bei Ankunft auf 0 stand, war es nur eine Frage der Zeit, wann auch der Sprit alle war. Und als das Auto sich nicht mehr richtig schalten ließ, hielt ich das für eine Folge des Spritmangels.IMG-20190814-WA0023
Glück im Unglück: der Sprit war zu Ende direkt vor der einzigen Tankstelle in der rabendüsteren Gegend und ein freundlicher LKW Fahrer half mir bei den italienischen Anweisungen.
So, weiter, wieder zurück zum Hafen, das Auto ließ sich nur noch in den 1., 3. und 5. Gang schalten.
Auch das noch. Aber es fuhr noch. Hauptsache, bis zum Schiff reichts.
Endlich war ein Polizist am Hafen. Ich fragte ihn, wo das Grimaldi Schiff ablegt und er zeigte mir, dass ich durch die Schranken musste (die aber geschlossen waren!). Die Schranken wurden geöffnet und ich fuhr die Strecke zur Mole 28, wo die Grimaldi Line stand.

Zu spät
Aber ich war zu spät dran. Alles war geschlossen, die Wachen schon auf ihren Mopeds und bereit zum nach Hause fahren. In 10 Minuten sollte das Schiff ablegen. Definitiv ohne mich!
Ich war vom hysterischen Kreischen inzwischen so geplättet, dass ich nicht mal mehr heulen konnte. Das Auto fuhr noch und ich stellte das Navi Richtung Neapel ein.Screenshot_20190820-232044_Maps

Ich wusste, morgen geht kein Schiff. Es ist Ferragosto, ein beliebter Feiertag in Italien, Maria Himmelfahrt, Höhepunkt der Ferien und überall die Hölle los. Ich hatte schon in Deutschland vorsichtshalber gegoogelt, falls ich das Schiff nicht erreichen würde. Die Fähre am Freitag hätte 276 Euro gekostet. Ab Salerno ginge am Freitag auch eine, das würde auch 220 Euro kosten. Übernachten müsste ich eh auch. Meine jetzt verlorene Passage hatte eh schon 150 pro Richtung gekostet. Also blieb eigentlich nur Palermo am Samstag, 17.8.  Kostet nur 60 Euro, braucht man keine Kabine, weil es nur 10 Stunden dauert. Dafür Sprit bis dorthin und drei Übernachtungen, aber ich seh wenigstens was vom Land und in Sizilien war ich eh noch nie…..

Aber zunächst brauchte ich ein Bett, ich wollte duschen, ich wollte einen Rotwein als Absacker trinken und dann nur noch pennen.
Nach etwa 20 km fand ich ein passables Hotel am Straßenrand, innen alles höchstmodern. Etwas teuer, aber das ist in so einem Moment grad egal. Nachdem ich erst geduscht, dann mich heulenderweise ausgiebig bedauert hatte beruhigte ich erstmal mein Schatzi, dass ich ein Hotel gefunden hatte und soweit alles okay war.

Ferragosto
Am Donnerstag, Ferragosto, waren fast alle Bars und Cafés geschlossen und ein Höllenverkehr. Zum Glück nur in die Gegenrichtung. Der Rezeptionist schickte mich zu einem Bankomat, neben dem ein offener Supermarkt war. Da deckte ich mich mit 2 kg Naschtomaten, Käse, Wurst, Brot und Obst für drei Tage ein. Dann fuhr ich auf der Landstraße Richtung Neapel, und musste auch durch Rom durch.  20190816_155106Morgens hatte ich noch gegoogelt, was da kaputt sein könnte am Auto und fand einen Chatbeitrag, wo jemand das gleiche Problem hatte: 2. und 4. Gang gingen nicht mehr rein. Er ließ das Auto vom ADAC abschleppen und der Mechaniker sagte ihm, dass es nicht so tragisch sein.  Das hörte sich beruhigend an und außerdem erinnerte es mich daran, dass ich zur Not ja immer noch den ADAC hatte, falls ich irgendwo liegen bleiben würde. (ich hab sogar die Goldmitgliedschaft und das hat sich schon öfters ausgezahlt!) Jedenfalls dachte ich, in Tunesien ist es sicher günstiger zu reparieren, wenn keine großen Ersatzteile fällig sind. Wenn ich eh schon jetzt vermehrte Kosten hatte, dann wenigstens bei der Reparatur sparen.
Deshalb fuhr ich auch Landstraße. Aber nach einiger Zeit hatte ich den Eindruck, dass die Italiener absichtlich die einfachen Straßen in so einem abartigen Zustand ließen, damit man die teure Autobahn fuhr. Letztlich könnte man auch auf einem Esel Galopp reiten und hätte beim Aussteigen aus dem Auto oder dem Absteigen vom Esel das gleiche Gefühl: einmal komplett durchgeschüttelt.  Irgendwann, nachdem ich Neapel und Vesuv hinter mir hatte, beschloss ich, doch wieder Autobahn zu fahren.
Und siehe da, durch ganz Kalabrien kostete sie nichts.LandschaftKalabrien1
Mein nächster Halt war Cosenza. Ursprünglich hatte ich dort im internet etwas gefunden, Agrotourist-Unterkunft, sehr günstig, aber der Navi kannte die Adresse nicht. So fuhr ich durch die Stadt und fand nach kurzer Zeit ein kleines Hotel in der Stadt, auch sehr günstig, 35.- Euro. Allerdings hatte ich auch beim Duschen die Duschstange in der Hand, aber wen interessiert das.

Kalabrien und Tartufo Eis
Am Abend buchte ich die Fähre von Palermo nach Tunis. Da war ich dann kurz vor dem nächsten Ausraster. Erst sollte ich mich authentifizieren mit einem Code, der aber nicht bei mir ankam. Schließlich hatte ich jetzt extra alles erledigt bei der Bank, damit es keine Zahlungsprobleme mehr mit der Mastercard geben sollte, wozu also schon wieder so ein Scheiß-Code! Dann wollte ich zur Paypal Zahlungsweise wechseln, da war dann angeblich mein Passwort wieder nicht richtig. Dann wollte ich ein neues Konto anlegen, das ging aber nicht, weil unter meiner email Adresse schon ein anderes (mein eigentliches) existierte. Dann wechselte ich die email Adresse, schließlich hab ich ja noch mehr. Dann wurde aber meine Bankverbindung nicht akzeptiert, weil sie ja schon (m)einer anderen email –Adresse gehörte………Schließlich waren auf dem Handy endlich alle Codes angekommen, inzwischen 5 oder 6, angekommen. Also zurück zur ursprünglichen Zahlungsart. Das ging jetzt aber nicht mehr, denn jetzt war die Zeit abgelaufen…….Kurz bevor der Laptop an der Wand gelandet wäre, gab ich mit dem letzten Rest an Geduld alles nochmal ein und…..ohne weitere Codes oder sonstiges bekam ich plötzlich die Buchungsbestätigung. Das war knapp!

Ich fuhr weiterhin Autostrada Richtung Palermo, d.h. erst mal Reggio Calabria, die auch weiterhin kostenlos war. Und fast leer. Kaum Verkehr, wunderbare Landschaft. Ein Traum.  Unterwegs sah ich ein Schild: Pizzo, 15 km. Beim Googeln nach einer günstigen Unterkunft war ich auf eine Seite gestoßen, in der Tartufo-Eis in Pizzo empfohlen wurde. Da ich eh noch nichts gefrühstückt hatte, beschloss ich, dorthin einen Abstecher zu machen und dieses Eis, das ich bislang nicht gegessen hatte, zu probieren. Gesagt, getan. Mit etwas Glück fand ich in dem verwinkelten, steil am Berghang liegenden Örtchen mit extrem engen Gassen sogar einen Parkplatz und ging zum angegebenen Platz, Piazza della Republica. Von den neun rings um den Platz liegenden Cafeterias, Bars und Ristorantes suchte ich mir ein Café aus und genoss Tartufo nero, dunkles Tartufo-Eis.  Boah, echt genial. Außen Nougat-Eis, innen Vanille und ganz innen flüssige dunkle Schokolade. Dazu einen Cappuccino (den ich lieber kalt werden ließ, bevor mir das Eis warm wurde…).

Man müsste sich das zeigen lassen, wie das geht, dachte ich bei der Weiterfahrt. Und in Tunesien eine Eisdiele aufmachen. Das sind dort so viele Schokoladenfreaks, dass es sich lohnen würde bei vier Monaten Hochsommer mit bis zu 48 Grad im Schatten.

Mit den 3 Maries nach Sizilien
In Reggio Calabria ging es dann zur Fähre nach Messina. Wartezeit 1 Stunde, Überfahrt 20 Minuten.

An der Bar auf dem Schiff entdeckte ich seltsame Kegel, die ich für irgendeine süße Spezialität hielt.  Sie hießen „Tre Marie“ und die Passagiere kauften sie emsig. Also muss ich probieren. Es geht ja nicht, dass ich was verpasse.  Also, bei „Tre Marie“ handelt es sich um gekochten Reis, zu einem Kegel geformt und mit Tomatensoße, Erbsen und Käse gefüllt. Also es schmeckte eher nach Resteessen, daraus ist es sicher mal entstanden. Und die 3 kommt vielleicht von den drei Arbeitsgängen, Reis, Tomatensoße, frittieren? Keine Ahnung.  Ich hab den Rest auf der Weiterfahrt den Ameisen spendiert, weil ich es nicht wirklich toll fand. Dann doch lieber Knoblauch Grissinis mit Naschtomaten 🙂

20190817_122858Jetzt war ich also zum ersten Mal im Leben auf Sizilien. Landschaftlich ein Traum wie das meiste von Italien. Selbst die Armenviertel sehen noch irgendwie malerisch aus.  Kurz überlegte ich, ob ich mir die Kirche in Messina ansehen sollte, da sie berühmt ist und sehr schön sein soll. Aber eigentlich stand mir der Sinn nicht nach katholischen Erinnerungen. Man kommt hier eh nicht an den Heiligen vorbei. Sie begegnen dir auf Schritt und Tritt. Ob Dorf, Straße, Piazza, Fähre, Mineralwasser: Santa Anna, San Lorenzo und San Stefano nebst Kollegen entkommst Du nicht. Sie sind allgegenwärtig, ohne sie geht hier nichts.

PalermoIdylle_Palermo
Gegen 18 Uhr war ich dann in Palermo. Bis auf einige hupende Ungeduldige, wenn ich statt dem 3. den 5. Gang drin hatte und nicht vorankam, lief alles wunderbar.  Ich fuhr Richtung Hafen, denn ich wollte so nah wie möglich bei „meinem“ Schiff sein und tatsächlich fand ich wieder ein günstiges Hotel, keine 10 Minuten von der Mole Santa Lucia (!) entfernt. Da die Hl. Lucia ja ihren Feiertag an meinem Geburtstag (13.12.) hat, beschloss ich dass das jetzt ein günstiges Omen sei.
Inzwischen war ich richtig richtig müde. Zwar waren die Strecken der letzten beiden Tage nur noch 600 resp. 400 km gewesen, aber ständig sitzen und konzentrieren kostet doch Energie. Insgesamt war ich über 2000 km in drei Tagen gefahren.
Außerdem war mir schlecht vor Hunger. Brot und Tomaten, auch kiloweise, geht nur ne bestimmte Zeit. Ich duschte und ging zur Uferpromenade, wo es qualmende Fressstände gab.  Dort brutzelten seltsame Fleischteile, welche ich noch nie gesehen hatte. Spezialität von Palermo? fragte ich mit meinen paar Wörtern italienisch. Si, si. Okay, wird probiert. Sie hießen Soliano (so hab ichs verstanden, habs sie im internet gefunden, aber ohne Namen und was es genau ist….) und schmeckten nicht schlecht. Der Salat war als solcher allerdings kaum mehr zu erkennen, aber egal. Ich wurde satt und steckte das übrige halbe Brot noch für das Frühstück ein.
Um 22 h war ich im Bett, nicht mal mehr Bock auf Rotwein.

Auf ein Neues: pünktlich in die Warteschlange

WarteschlangePalermo

4 Stunden warten bei 30 Grad, völlig normal

Heute war ich relativ ausgeschlafen, allerdings auch schon mal fitter gewesen. Noch schnell einen Cappuccino und ein superleckeres Croissant (mit einer Füllung, die wie eine Mischung aus Aprikosenmarmelade und Vanillecreme schmeckte) im Hotel und dann ab zum Hafen. Dort auf der Mole Santa Lucia (von GNV = Grandi Navi Veloci Fähren war alles beschriftet; von Grimaldi Lines kein einziges Schild, also wieder erst die Polizisten fragen, wo´s hingeht) wird man dann auch nach „da hinter und rechts“ geschickt.  Das Tickethäuschen findet man nur durch Zufall, bzw. weil Leute durch den Zaun ein- und ausgehen.

Grimaldiservice-Suchbild: Der weiße Zettel am Zaun ist der Wegweiser und das Hinweisschild zu den Tickets

Am Ticketschalter (Containerbüros) bekam ich dann mit, dass das Schiff noch nicht mal angekommen war von Tunis und es entsprechend länger dauert, bis es dann abfährt.
Zum Glück war mein Tank nicht ganz leer, so dass ich die 4 Stunden Wartezeit bei 30 Grad in der Sonne teilweise mit laufendem Motor und Klimaanlage verbringen konnte.
Statt um 12.30 Uhr startete die Fähre dann um 14.30 h.
Da bei 10 Stunden Überfahrtsdauer keine Kabine nötig ist, waren die Gänge noch voller als sonst mit Luftmatratzen und Decken. Überall hängen Schilder: No Camping! Das interessiert aber niemanden. Alle Sitzbänke belegt (im wahren Wortsinn!) von den Leuten, die früher aufs Schiff kamen.

20190817_200233

No camping 🙂

Naja, gemütlich ist anders. Ich sicherte mir zumindest zwei Stühle, einer für die Beine zum Hochlegen, was ich nach dem langen Autofahren echt brauchte.
Den Kampf um die einzige Steckdose in der ganzen Caféteria gewann ich fürs Erste, denn ich hatte mich direkt daneben niedergelassen und meinen Laptop, dessen Akku leider leer war (weil nicht alle italienischen Steckdosen mit meinem oldfashion Stecker kompatibel waren), eingesteckt. Da die immer zahlreichen mitreisenden Kinder natürlich alle Handybesitzer sind und zur Beschäftigung ihre Handyspiele spielen, ist die Steckdose stark nachgefragt, das weiß ich ja von den letzten Überfahrten. Eine Frau hat sich dann erbarmt und einen Doppelstecker gebracht.

Zustände zum Zustände kriegen
Als ich endlich mein Auto geparkt hatte und aufs Deck kam, dachte ich, ich mach es diesmal ganz schlau und geh direkt aufs Klo, bevor diese wieder komplett unbenutzbar sind.
Es gibt leider nicht viele, außer in jeder Kabine natürlich. Aber an öffentlichen sind es nur 6 Stück (gesamt nur zwei Räume mit einmal 2 und einmal 4 Toiletten bei ?-100 Passagieren?) und diese waren noch von der Herfahrt entsetzlich. Das ist jedes Mal so, dass die Toiletten schnell an ihre Grenzen kommen. Und ich weiß nicht, warum die das nicht in den Griff kriegen. Es stinkt bis in die Caféteria. Immer sind sie mit Nasssauger und diversem Equipment zugange, aber die Schüsseln sind alle voll und der Boden steht unter Wasser. Ich hab ne Immodium genommen, damit ich da nicht gehen muss. Reicht schon pinkeln……
Ankunft in Tunis: um 00.30 h können wir endlich vom Schiff….AusfahrtvonderFähreTunis

Der Zoll
Wer meinen Bericht vom 1. März kennt, weiß, was beim tunesischen Zoll zu erwarten ist.
Letztes Mal im Juni hatte ich fleißig im Universum bestellt und siehe da, es ging recht glimpflich ab: nur das halbe Auto ausladen und nur 20 Euro „Schmiergeld“.
Auch dieses Mal hatte ich viel Liebe und vor allem Licht an die Zoller geschickt, schließlich hatte ich wenig Lust, nachts um 2 h das Auto komplett aus – und einzuräumen.
Es ließ sich denn auch recht geruhsam an. Schon mal ne Stunde, bis man durch die Passkontrolle war……
Dann kam der Zoll. Papiere? Nein, nicht das, sondern das blaue. Das bekommen sie da drüben an Schalter vier. Hilfe von den „Subs“ lehnte ich ab und füllte das Formular (französisch/arabisch) mehr nach Gefühl aus. Zum Stempeln zum Häuschen zwei.
Fertig bei Häuschen zwei: der schickte mich zur Bestätigung zu Häuschen drei.
Der in Häuschen drei meinte: Sayeh! Ces bon!, also „alles prima“ verstand ich (ich kann nicht französisch, Schreibfehler bitte nicht beachten). Und er bedeutete mir auf arabisch, zu fahren (aroach!). Doch kaum war ich bei der nächsten Polizeikontrolle, schickten die mich wieder zurück: Da fehlt ein Stempel: das Auto sei ja noch nicht kontrolliert worden. Wäre auch zu schön gewesen……Also rückwärts wieder in die Fahrspur. Der zuständige Prüfer kam betont langsam angeschlendert, fasste das eine oder andere Paket an, ließ ließ sich einen kleinen Karton, der unter drei anderen (kleinen) war, zeigen: da waren zwei Glaskrüge drin: Kullu Haja lil beiti fil Gafsa! sagte ich. Alles für mein Haus in Gafsa. Als er noch ein paar Belanglosikeiten fand, gab er auf. Den Fernseher, den ich mit einer Yogamatte gut verpackt und in die Mitte des Autos gesteckt hatte, hatte er nicht gefunden. Der hätte Zoll gekostet. Er gab mir seinen Stempel und ich fuhr wieder zur Abschlusskontrolle, zur Polizei. Ein hochgewachsener junger, sehr gutaussehender Polizist beugte sich herunter und lehnte sich in mein Fenster und raunte: You live in Tunis? Do you want to contact me? Ich lächelte süß und sagte: Rajli min Gafsa (mein Mann ist aus Gafsa), woraufhin er fast nach hinten umgefallen wäre, so schnell war er vom Fenster weg. Andere Polizisten hatten es mitbekommen und lachten und meinten, ja, die Männer aus Gafsa seien gut….(zumindest haben sie einen Ruf, nach dem man sich mit ihnen besser nicht anlegt, vor allem, wenn es um Frauen geht).

Es gibt sie doch, die Wunder
Jedenfalls, Wunder über Wunder. Denn: das hatte ich noch nie! : Auto nicht ausgeräumt, keinen Zoll bezahlt, kein Schmiergeld bezahlt und noch ein paar Mal gelacht und Spaß gehabt mit den diversen Beamten (mein Arabisch scheint sehr amüsant zu sein). Wer sagts denn: die Bestellungen funktionieren dann doch wieder einwandfrei. Auch meine Bestellung für günstige Übernachtungen war problemlos erfüllt worden. Das Auto hatte durchgehalten, und ich hatte jetzt mal ein bißchen was von Sizilien gesehen.

Um 2.30 h war ich im Hotel. Unser „Stamm-Hotel“ liegt kaum 5 Minuten vom Zoll weg am Strand von Halq al Wadi (europäisiert: La Goulette). Da hatte ich jetzt nichts (im Universum) bestellt, denn das hatte bisher immer super geklappt. Hätte ich mal tun sollen. Denn leider war das Zimmer diesmal nicht der Brüller: der Boden komplett ein Planschbecken für Frösche, weil die Klimanlage undicht war. Zum Glück war es nicht soo heiß, man konnte gerade noch ohne auskommen (damit das Wasser nicht noch mehr steigt bis zum nächsten Morgen….) und das fehlende Handtuch war schnell durch mein eigenes ersetzt…..

Am Sonntag waren wir dann gegen 15 Uhr in Gafsa. Leider mußte ich die Strecke von knapp 400 km auch wieder alleine fahren, weil mein Schatz (zwar schuldlos) in einen Unfall verwickelt worden war, aber alle drei Unfallbeteiligten erstmal ihre Lappen abgeben mußten.
Jetzt muß morgen das Auto in die Werkstatt und ich bestelle, dass es ganz problemlos zu beheben ist. Alhamdulillah, alles nochmal gutgegangen!

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Blick aus „unserem“ Hotel in La Goulette (Halq al Wadi)

Nachtrag: Auto schaltet wieder einigermaßen. Kosten: 5 Dinar (umgerechnet 1,30 Euro)

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