Hochsommer in Zentraltunesien

Ein „Nach-Corona“-Beitrag ist längst fällig, ich weiß. Aber bisher war ich zu faul. Doch jetzt ist es so heiß draußen, dass ich nichts lieber tue, als in meinem klima-gekühlten Zimmer sitzen und schreiben oder lesen.
Während in Deutschland ja immer noch Maskenhysterie herrscht, ist das hier eigentlich kein Thema mehr. Ich weiß nicht, wie es im Flugzeug und in Flughäfen ist, und ich bin froh, dass ich mit dem Schiff kommen konnte. Da ist Einiges angenehmer.
Im Sammeltaxi von Tunis nach Süden, besetzt mit acht Personen, war eine Frau, die Maske trug, aber auch nur bis zur Kaffeepause auf halber Strecke.
Im Supermarkt hier habe ich ein einziges Mal eine Frau gesehen, die vermummt war und der Übersetzer meiner Papiere saß in seinem Winz-Büro mit Ventilator und Maske. Er hat in Deutschland studiert….vielleicht deshalb.
Seit meiner Rückkehr Anfang Juli, nach vier Monaten Zwangsaufenthalt in Deutschland, waren die Temperaturen hier gut warm, aber noch moderat. Also 39 / 40 Grad – wenn überhaupt – erst am späten Nachmittag erreicht und nachts kühlte es auf 23 Grad ab. Seit ein paar Tagen ändert sich das: die 40 Grad herrschen jetzt schon mittags, gegen 16h sind es dann 42°/43° oder mehr und nachts bleibt es 25, 26 Grad.

Bei uns im Hof ist es (mir !) allen Ernstes auch um 23 h noch zu warm zum draußen Sitzen, zwar dunkel mit Sternenglanz und Mondenschein, aber noch 32 Grad. Meinen Morgenkaffee trinke ich spätestens um 7h, ab 8h wirds dann auch schon recht warm. Und immer, wenn ich dann meine, dass ich zur Abkühlung mal wieder duschen könnte, ist das Wasser weg und es tröpfelt nur mit wenig Druck aus dem Reservetank. Aber wir haben immerhin einen. Das ist nämlich Luxus. Weil wir aber auf einem Hügel wohnen, wo das Wasser immer als erstes weg ist, leisten wir uns den.

Dafür sparen wir jetzt bei den leidigen Wasserflaschen und kaufen direkt beim Wasserhändler, der morgens hupend durch die Strassen fährt. Denn das Trinkbedürfnis ist momentan groß und da fällt einfach zuviel Abfall an.  Natürlich kann man die Plastikflaschen zum Basteln verwenden, aber man braucht keine 5,6 Stück am Tag.
Mit dem Wassercontainer funktioniert das so, dass im Wechsel zwei Wasserflaschen als Kühlakku gefroren werden, so dass das Wasser aus dem Container auch immer Kühlschranktemperatur hat.
Das Leitungswasser kann man trinken, es schmeckt aber ziemlich bescheiden. Zum Kaffee und Tee nehm ich es nicht. Noch ein Stück weiter in den Phosphat-Gebieten ist der Fluor-Gehalt im Trinkwasser so hoch, dass die Menschen braune Zähne davon bekommen, denn nur in geringen Mengen schützt Fluor die Zähne, in höheren Dosen macht es Knochen und Zähne hart und brüchig und schädigt die Nieren. Und sicher ist sicher.
Manchmal läuft das Wasser nur nachts, ab Mitternacht oder später, und ist um 8 h schon wieder weg. Da der Druck von unserem Reservetank für die Waschmaschine bei weitem nicht ausreicht, muß die Wäsche dann nachts in die Maschine oder ganz früh am Morgen, damit nicht nach einer Stunde Schluss ist mit Waschen und man nicht nach 6 oder 8 Stunden wieder von vorn anfangen muß…..Das Trocknen auf dem Dach geht dafür umso schneller.

Heute morgen schaute ich auf die Uhr und da es erst 10h war, beschloss ich, ins Hamam zu gehen. Von 10h bis 16h ist Ladies Time, davor und danach dürfen die Männer rein. Von Hamams hab ich ja schon an anderer Stelle erzählt. Meine Stieftochter und ich sind dann die ca. 500 meter zu Fuß zum nächstliegenden Badehaus gelatscht. Oh Gott, dieser Dampf, diese Hitze. Doch es war voll. Nur im allerheißesten Raum war noch ein Plätzchen für uns. Wir kamen auch gleich zur Sache, schrubbten und rubbelten, um so schnell wie möglich wieder raus zu kommen. Wieder in der Umkleide wurde man gar nicht trocken, denn auch hier waren mindestens noch 90% Luftfeuchtigkeit. Als wir vor die Tür ins Freie traten, umwehte uns eine kühle Prise. Luft. Wind. Man stelle sich vor: 38 Grad (trockene!) Hitze empfanden wir als angenehm kühl…. Der Effekt hielt aber leider nicht lang, nur bis wir dann getrocknet waren. Und als wir endlich zu Hause ankamen, fühlten wir uns schon wieder wie nach einer Saharafahrt. Mein Gesicht war krebsrot, da half nur noch ein eiskalter Waschlappen aus dem Gefrierfach.

Das Kochen lassen wir heute bleiben, entschieden wir. Wir haben noch den Kühlschrank voll. Aber gegen spät Nachmittag war der dann langsam leer gefuttert. Ich entschied mich für frittierte Hefebrötchen (tunesisches Fricassé), an sich kein großer Deal. Nur Frittieren bei 40 Grad in der Küche? Nicht so prickelnd. Ich habe einen großen Ventilator da stehen, allerdings wenn ich den bei diesen Temperaturen einschalte, ist es eher so, wie wenn man den Backofen von Ober-Unterhitze auf Umluft stellt. Von Kühlung kann man da jetzt nicht sprechen, eher von Schnelltrocknung. Aber besser als nix.
Apropos Backofen: meine Entscheidung, mir einen kleinen 30l-Backofen aus Deutschland mitzubringen, war goldrichtig. Den großen Gas-Backofen hatte ich noch nicht mal im Winter an, denn der kleine tuts auch. Und er steht im Sommer auf einem Tischchen in der Garage: ich bin ja nicht lebensmüde und backe im Sommer in der Küche. Aber Kuchen muß sein für die Zuckerfreaks hier! Egal zu welcher Jahreszeit…
Wie in Europa muß man hier mit Hochsommer-Temperaturen bis Mitte August rechnen. Ab 15. August wird es besser, d.h. die 40 Grad-Marke nicht mehr so oft überschritten. 36°, 37° kann es allerdings auch noch Anfang Oktober haben, nur eben nicht oft.

Für die Kinder ist hier der Sommer so wie in Deutschland ein strenger oder nasser  Winter: sie können tagsüber überhaupt nicht raus zum Spielen. Nur früh am Morgen bis maximal 9h, 10h und dann erst wieder ab ca 18h. Entsprechend hängen sie tagsüber meist vor der Glotze ab und haben abends erstmal Bewegungsdrang. Schwimmen gehen kann man, ist aber ein absolut teurer Luxus. Denn ein offizielles Schwimmbad gibt es nicht.

Für die Stadtkinder gibt es die römischen Quellen, was natürlich genial ist, da muß man aber schwimmen können, weiblich unter 12 oder männlich sein. Und für Familien und Nichtschwimmer gibt es zwei Hotels, die einen Pool haben.

Da kann man dann zur Familienzeit (15-17h) hingehen, kostet Eintritt und konsumieren sollte man auch was. Das macht es dann auch für uns zu einer Ausnahme zu besonderem Anlass wie gestern beispielsweise einem Kindergeburtstag.

Letzte Woche gab es einen Gewittersturm, mit dem Allah für 2 Stunden ein kostenloses Planschbecken frei Hof nach nebenan geliefert hat. Das war ein Fest für die Kids ! 🙂

 

 

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