Jetzt muss er her, der „Climatiseur“

Unser Granatapfelbäumchen blüht. Sehr schön, sieht jeden Tag anders aus. Die Blüte verändert sich ständig.Granatapfelstrauch2.jpg Ja, es ist Anfang Juni und Sommer. Nicht Sommer in Europa, sondern Sommer in Zentraltunesien, und zwar gleich mit Temperaturen wie im August.
Im Schnitt 39 Grad, vorgestern waren es 41,5 Grad.
Die Entschleunigung des Lebens durch den Ramadan-Monat ist kaum vorbei, so wird gleich weiter verlangsamt aufgrund der Hitze. Die angenehmste Tageszeit ist 5 Uhr von bis ca. 7 Uhr morgens, dann wird es warm, zum Yogamachen geht es grade noch. Bis 9 Uhr ist es noch relativ angenehm, aber in der Sonne kann man nicht sitzen, zu keiner Zeit eigentlich. Dann wird es schon sehr warm und ab 10/11 Uhr ist es Brathitze bis abends um 19 Uhr, mindestens.
In der Zeit kann man nicht viel machen, außer kurz die Wäsche auf dem Dach aufhängen, die aber schon in spätestens einer halben Stunde getrocknet ist.
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Außer man hat Klimaanlage. Ich dachte ja erst, ich schaffs vielleicht ohne. Aber wenn es einfach noch etliches im Haus zu erledigen gibt, weil wir ja noch nicht ganz fertig sind mit allem, dann kommt man in dieser Hitze nicht voran.
Sicher, es ist trockene Hitze und die erträgt man besser. Den Spruch hört man ja auch ständig (meist von Leuten, die sie gar nicht ertragen müssen). Stimmt einerseits, aber andererseits sind 40 Grad trotzdem noch 40 Grad – vor allem gelten die Gradangaben im Schatten (!!!), den es tagsüber bei uns im Hof gar nicht gibt – die machen nicht fit und munter, sondern müde und schlapp. Im Hof in der Sonne hat es nämlich zwischen 55 und 68 Grad tagsüber.
20190621_144631…..Deswegen musste jetzt ein Climatiseur her, also Klimaanlage. Stromfresser, algerische Schmuggelware, keine Garantie drauf, aber dafür günstiger. Da gibts es ja Unterschiede, 10er, 12er, 18er usw. Je höher die Leistung, desto größer kann der Raum sein. Aber der Haken an der Sache ist: Das Stromnetz hier bringt nicht immer die erforderlichen Strommengen und dann steht ein 18er gerne mal still. Daher tut es unser 12er locker. Ich muss ja kein Eis herstellen in meinem Zimmer oder Schlafzimmer.

Neben der Verlangsamung des Lebens bringt die Hitze auch noch andere Begleiterscheinungen hervor, Tiere zum Beispiel.Insekt

Einige fühlen sich – je heißer desto besser – jetzt besonders wohl. Heute morgen fand ich einen kleinen Skorpion in der Duschwanne, bzw. einen Hundertfüßler. Die sind – je nach Größe von 1-30 Zentimeter harmlos bis gefährlich. Meiner war vielleicht 5 Zentimeter und hatte eine Fliege als Beute, kam aber nicht mehr den glatten Wannenrand hoch. Ich half etwas nach und er verschwand schleunigst in einer Fliesenritze. Ist das Haus unverputzt, tun sich die Tiere leichter und man muss eher mit ungebetenem Besuch rechnen. Die Schwägerin hat heute zwei zusätzlich Betten für die Kinder gekauft, weil sie etliche Skorpione auf dem Dach gefunden hat.

Kamelspinne

Kamelspinne – keine Spinne und auch kein Skorpion. Gehört aber mehr zu den Skorpionen. Sticht nicht, aber beißt

Die Kinder schliefen bisher auf den Matratzen auf dem Boden. Wer keine Klimaanlage hat, schläft im Hof oder auf dem Hausdach. Da ist die Regel. Das ist auch ganz nett, nachts, Mondschein und Sterne und so. Aber morgens, da kommen dann die Fliegen, und nicht nur eine. Und außerdem wird es einfach früh hell und wer länger pennen will, müsste sich die Decke über den Kopf ziehen. Dafür ist es aber zu warm. Da gibts also nur eines: aufstehen und Yoga machen oder eben einen Climatiseur kaufen.

Für die restlichen Hitze-affinen Tiere, die für uns nicht so erfreulich sind, sprich Schlangen oder Kakerlaken, gibt es „Medizin“. Stinkende weiße Naphtalin-Kugeln, die überall verteilt werden und deren Geruch die Tiere abschrecken soll. Mich schreckt er mal sicher ab. Und bis jetzt hatte ich ja eh noch keine Kakerlake in unserem Haus, aber heute Abend im (romantischen Garten-) Café lief uns eine über den Tisch.20190611_211841

Was mich an den Kakerlaken am meisten stört, ist ihre Geschwindigkeit. Da könnte man glatt hysterisch werden, wenn die so blitzschnell herumwuseln.
Zum Glück hats nicht auch noch Mücken. Es hat ja auch in der Regel nicht viel Wasser hier, insofern ist diese Plage wenigstens kein Thema. Und die Heuhüpfer sind eher putzig, erschrecken mich aber gelegentlich, vor allem wenn sie mir ohne Vorwarnung über die Computertastatur segeln.

Heuschreck

Heuschreck, ca. 10 cm

Die Geckos (Wazgha) soll man angeblich töten, so stünde es im Qur´an, weil sie wohl die Haut verätzen. Ich finde, sie sehen recht niedlich aus, wie Mini-Krokodile.

Was gibts noch bei Hitze? :

– Das Brot trocknet in Lichtgeschwindigkeit aus. Eine Stunde offen gelagert und ab in den Thermomix: ergibt feinste Semmelbrösel.
– Man braucht keine Handtücher: kurz in die Sonne stellen und schon ist man trocken und kann sich Sonnencreme mit Faktor 50 auf die der Sonne ausgesetzten Hautstellen schmieren. Von letzteren gibts in islamischen Ländern bekanntermaßen ja nicht so viel.  Also Unterarme, Hände, Gesicht, das wars auch schon. Vor allem wenn man teuren, antiallergenen Sonnenschutz braucht, ist das ein echter Einsparfaktor.

Leider hab ich in der Küche noch keinen Climatiseur. Trotz Nordseite und gegenüberliegenden Fenster/Türe, die nachts durchgehend geöffnet sind, hält sich die Hitze hartnäckig dort. Und leider gibts da noch viel zu tun. Gestern hab ich mich endlich überwunden und den gebrauchten 5-Stellen-Gasherd von mindestens achtjähriger Kochkruste befreit. Das hat ca. 2 Stunden gedauert. An Werkzeug hatte ich: aggressiven WC-Reiniger, einen Eckenkompatiblen Schwingschleifer, den ich auf Draht-Topfreiniger gesetzt habe, zwei Schraubenzieher mit scharfer „Klinge“, die ich als Meißel benutzt habe. Jetzt ist der Herd zwar noch mehr verkratzt, aber zumindest nicht mehr schwarz:).
Hab leider kein Vorher/Nachher Foto.  Nun müssen noch die Eisengestelle und die Front ran, außerdem das Backrohr. Zum Glück ist das nur verstaubt. Sonst hätte ich das Ding echt verschenkt. Allerdings ist das Backrohr in dieser Hitze nicht wirklich wichtig 😉

SandundStaub

Zwei Tage windiges Wetter: rabra (Staub), wohin das Auge blickt

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