Islamisches Neujahr 1. 1. 1442

Heute am 20. August 2020 westlicher Zeitrechnung ist auch das Islamische Neujahr für das Jahr 1442 nach muslimischer Zeitrechnung.
Die muslimische Zeitrechnung orientiert sich am Mondkalender und deshalb wandern die Monate  – so auch der Fastenmonat Ramadan – und die Feste jedes Jahr um etwa 10 Tage rückwärts.
Jede der drei großen Buchreligionen hat nicht nur ihren eigenen „Sonntag“ – die Juden am Samstag (Sabbat) und die Muslime am Freitag – sondern auch ihre eigene Zeitrechnung. Für die Juden begann die Zeitrechnung schon 3761 v.C. mit der Erschaffung der Welt und nach ihrer Rechnung schreiben wir nun das Jahr AM 5780 und wechseln am 19. September 2020 in das Jahr 5781.
Für Muslime hat die Zeitrechnung mit der Auswanderung, der Hijra, des Propheten Mohammeds von Mekka nach Medina im Jahr 622 begonnen.Muhammad 19.jpg

Hier ein (gekürzter) Ausschnitt aus der Geschichte, erzählt von Essad Bey:
…..“Mohamed war Mekkaner, ein Quraish aus dem edelsten Stamm Arabiens…..Eines Tages wanderte er durch die Schlucht von „Aqaba“; es war gegen Ende des Fastenmonats im Jahre 620. Plötzlich entdeckte Mohamed sechs oder acht buntgekleidete Beduinen, die am Feuer hockten. Der Prophet fragte, aus welchem Stamme sie seien. „Wir sind Hazraj aus der Stadt Yatrib“. Viele der Einwohner dort waren Juden, auch Mohamed hatte dort Blutsverwandte. „Lebt Ihr zusammen mit den Juden?“ frage er und die Beduinen bejahten. „So wisset, dass der Gott der Juden auch mein Gott ist. Ich aber bin sein Gesandter auf Erden.“ Diese Worte beeindruckten die Fremden stark. Sie waren Heiden, aber wenn sie sich mit den Juden stritten – was oft genug vorkam – so sagten die Juden „Nehmt Euch in Acht, Ihr Heiden, wenn der Gesandte unseres Gottes kommt, so wird er euch alle zu Staub zermalmen.“ Und nun stand plötzlich der ersehnte Messias vor ihnen und schien gar nicht zornig zu sein. Offensichtlich wussten die Juden noch nichts von seiner Ankunft, und den Hazraj, einem einfachen und wilden Volk, schien es vorteilhaft, schon jetzt die Freundschaft des neuen Propheten zu erwerben. Sie boten ihm daher Schutz und Hilfe an. Doch Mohamed war vorsichtig. Er erklärte ihnen den Islam und befahl ihnen, im nächsten Jahr mit den Besten ihres Volkes wieder zu kommen. Die wilden Hazraj versprachen, dem Islam treu zu sein und zogen von dannen.
Das Jahr verging und immer drückender wurde das Los des Propheten. Wenn Mohamend scheu durch die Straßen von Mekka schlich, liefen die Straßenjungen hinter ihm her, bewarfen ihn mit Steinen oder warfen Sand auf sein Haupt. Niemand von den Quraish schloss mit den Anhängern Mohameds Geschäfte ab. Man verweigerte ihnen auch den Zutritt zur Kaaba. Seine Anhänger verarmten.
Nach einem Jahr kamen wie vereinbart zwölf der wilden Hazraj und boten dem Propheten ihren Schutz an. Immer noch zögerte der Prophet und sagte ihnen schließlich: kommet wieder in einem Jahr!
In Yatrib derweil predigte ein gläubiger Freund Mohameds mit Namen Musad ibn Umair und erreichte, dass alle Stämme von Yatrib auf den Propheten schworen: die Juden, weil sie annahmen, Mohamed sei ein Jude, die Heiden, weil sie hofften, Mohamed werde sie vor den Juden schützen..
Als im Frühjahr 622 schließlich Musad ibn Umair nach Mekka zurückkehrte, begleitete ihn eine Delegation von 70 Männern aus Yatrib. Sie schlugen ihre Zelte auf, besuchten die Kaaba, vollzogen, um nicht aufzufallen, alle magischen Rituale. Doch in der Nacht schlich sich Mohamed mit seinem Onkel al-Abbas in das Lager der Yatribenser, welche den Propheten mit aller Ehrfurcht empfingen.
Nachdem sich Onkel al-Abbas überzeugt hatte, dass es seinem Neffen bei den Yatribensern gut gehen werde, wurde darüber verhandelt, Mohamed samt seinen Anhängern in der Stadt Yatrib aufzunehmen. Die Auswanderung sollte unbemerkt vonstatten gehen und alle Gläubigen sollten nach Medina übersiedeln. Politisch geschickt versprach Mohamed ihnen das Paradies für ihre Unterstützung und schwor, für ihr künftiges Wohl zu sorgen. Und Mohamed ernannte auch gleich seine Stellvertreter für Medina, womit die Verhandlungen beendet waren.
Doch natürlich, wenn eine große Gruppe auswandern will, kann das nicht gänzlich unbemerkt über die Bühne gehen, schon gar nicht beim arabischen Hang zur Schwatzhaftigkeit. Die Quraish erfuhren also davon und waren empört über die Absichten des „Irren“ (Hashim); sie befürchteten, er könne von dort aus möglicherweise gegen die eigenen Leute in den Kampf ziehen. Allerdings hatte es auch Vorteile: das Hab und Gut der Gläubigen blieb vor Ort, konnte in Besitz genommen oder auch veräußert werden.

Die Stimmung war sicher eigenartig, denn täglich verschwand ein Gläubiger und täglich wurde ein weiteres leeres Haus vorgefunden und besetzt. Vor dem Hause Mohameds gingen junge Quraish auf und ab, sangen Schmählieder und versprachen, mit dem Propheten abzurechnen, sobald der letzte Muslim die Stadt verlassen habe.

Schließlich waren nur noch Mohamed, Abu Bakr und Ali übrig.
Die Quraish wollten Mohamed ein für alle Mal loswerden, doch sie waren Kaufleute und Blutvergießen waren ihnen daher ein Gräuel. Keine Familie wollte den Mord und damit eventuelle Blutrache auf sich nehmen.
Sie beschlossen, dass jede Familie einen Vertreter schicken sollte, der sich an der Bluttat beteiligen sollte, so dass keine einzelne Familie die Blutschuld auf sich lasten haben würde.

Mohamed beschloss zu fliehen und sprang nachts, als die jungen Quraish sein Haus umstellten, über die Mauer zu Abu Bakr. Ali, seinen jüngeren Gefährten, ließ er mit dem grünen Turban und seinem Mantel zurück. Erst im Morgengrauen drangen die Quraish in das Haus des Propheten, doch sie fanden nur den friedlich schlafenden Ali vor.

Verärgert schnappten sie sich ihre besten Pferde und ritten hinter Mohamed und Abu Bakr her. „Oh Mohamed, die Wüste ist flach und wir sind nur zwei und hinter uns reiten die Quraish“, jammerte Abu Bakr. „Du irrst dich“, erwiderte Mohamed. „Wir sind drei: Du, ich und Gott.“ Im gleichen Augenblick entdeckten sie ein Höhle und versteckten sich darin. Eine große Spinne kam und flocht vor dem Eingang rasch ein Netz.
Abu Bakr und Mohammed verbergen sich vor der Hidschra in der Höhle am Berge Thaur (Darstellung aus dem Siyer-i Nebi, 1595 abgeschlossen)

„Sie können nur in der Höhle sein“, meinten die Quraish, als sie zu der Stelle kamen. Doch der Klügste unter den Quraish betrachtete den Eingang und sagte stolz: „Sie können nicht in der Höhle sein. Seht ihr nicht, dass ein altes Spinnennetz vor dem Eingang hängt. Es wäre zerrissen, wenn die beiden in der Höhle wären“. Da staunten die Quraish über die Weisheit ihres Führers und ritten weiter.  Während Mohamed und Abu Bakr noch ihr Dankgebet verrichteten, kamen kurz darauf drei Nachzügler, die das Spinnennetz zerschlugen und die Höhle betraten. Die beiden Gläubigen hielten den Atem an. Doch die Eindringlinge verrichteten nur ihre Notdurft und ritten davon.
So schützte Gott seinen Gesandten Mohamed.

Einige Tage und Nächte verbrachten die beiden noch in der Höhle, doch dann ging das Trinkwasser aus und sie mussten ihren Weg fortsetzen.  Sie ritten weiter durch die Wüste, bis sich in der Ferne das Dorf Quba zeigte, die Vorstadt Yatribs. Hier war die Flucht beendet und Yatrib hieß von nun an Medina an-Nabi, die Stadt des Propheten.
Dorthin war er mit dem Schwert in der Hand geritten und von daher sollten von nun an Schwert und Qurán die Welt beherrschen.

Medina Grab des Propheten.JPG

Medina

Was passiert am Islamischen Neujahr?
Für Schiiten und Aleviten startet an diesem Tag die Fasten- und Trauerzeit im Muharrem, dem ersten Monat des Jahres. Sie begehen Neujahr daher nicht mit einem großen Fest. Auch für viele Sunniten ist der Anfang des neuen Jahres eher eine Zeit der Besinnung und der Buße. Die Menschen verschenken an diesem Tag Süßigkeiten, geben Almosen an Bedürftige und erzählen Geschichten vom Propheten Mohammed. Weil bei Muslimen der neue Tag nicht um Mitternacht, sondern bereits nach Sonnenuntergang beginnt, wird quasi zwei Tage gefeiert, nicht mit Böllerschüssen oder Raketen, sondern mit traditionellen Blasinstrumenten. In manchen Gegenden gibt es ein traditionelles Festessen bzw. einen festlichen großen Teller, der ganz ähnlich wie im Iran zu Noruz, den Frühling und die Hoffnung auf ein Gutes Neues Jahr darstellt, indem sieben Gaben mit symbolischer Bedeutung dabei präsentiert werden: Mehlbeeren, Süßgebäck, eine Münze, grüne Weizentriebe, ein Apfel, Essig und Knoblauch.  Ihre Bedeutungen sind Glück, Wohlstand, Gesundheit und Fruchtbarkeit.
Zu diesem alten Brauch kamen mit dem Islam noch gefärbte Eier, Gewürz, Weihrauch und ein Qurán auf den Tisch, im Iran auch ein Glas mit Goldfischen.

Und bei uns: Schwiegermutter hat alle zum Mittagessen eingeladen, zu einem speziellen Couscous. Also nur Kuchen backen und ansonsten ein chilliger Tag ohne Kochen!

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